Samstag, 30. Januar 2010

ANTON HAMBACH

Quadrat hoch 2 - ein Künstler in der Mühle


Seit 35 Jahren hat sich der Maler und Objektkünstler Anton W. Hambach konsequent für die Einbeziehung aller Sinne bei der Herstellung seiner Werke und bei der Beurteilung seines künstlerischen Schaffens eingesetzt. Ausstellungen zwischen Basel, Köln, Monte Carlo, Bilbao und Frankfurt sind Beleg dafür, daß seine Grafiken ohne Titel und ohne Vorgaben auch beim breiten Publikum offene Augen finden, seine abstrakten Plastiken hingegen werden von sensiblen Menschen oft mit den Tastorganen "erfasst".

Der 1939 in Hann.Münden am Rande des Weserberglandes geborene Hambach lebt seit 35 Jahren im Schwarzwald. Ebenso lange ist das Quadrat Hauptgegenstand seines künstlerischen Ausdrucks. Vier rechte Winkel, vier gleichlange Seiten sind die Grenzen, bestimmt durch die Mathematik. Für den Künstler bedeutet das Quadrat nur Formalismus. Bereit der Russe Malewitsch, der 1913 ein Quadrat nackt, schwarz auf weiß malte, hatte die Absicht einen "gegenstandslosen, absoluten Zustand" erreichen. Kandinsky hat die Wirkung des Quadrats als die "objektivste Form der schematischen Grundfläche" ausgelotet. Irritierend auf den Betrachter wirkt die Form auf jeden Betrachter bei längerem Hinsehen: Die Ecken schwächen sich plötzlich ab, die Form wird sozusagen "instabil". Durch die drei Kriterien - die mathematische Form, der Symbolgehalt und die Probleme der physiologischen Wahrnehmung sprechen die Künstler vom Quadrat als einem "schwierigen Format".

Die Interpretation

Diese Tatsache hat Anton Hambach herausgefordert: Anfänglich waren seine Quadrate farbig, ohne bunt zu sein, jetzt sind sie ungeheuer fein ausdifferenziert zwischen Weiß und unterschiedlich gefärbtem Grau. Die schwedischen Acrylfarben, derer er sich bedient, sind wegen ihrer Lichtstabilität bekannt. Er trägt sie mit einem breiten Schaumstoffpinsel auf die Nesselleinwand auf; danach werden sie bis zu 20 mal übermalt und erzielen so Effekte, die an Lasuren denken lassen. Die scharf geschnittenen Linien erzielt er mit Hilfe von Klebebändern. Diese Genauigkeit hat System: Als Geometer des Quadrats ist Hambach besessen von der scharfkantigen, sauberen Linie. Durch die Übermalungen wird hingegen der Raumcharakter der Bilder betont. Die Farbe, ein Medium, daß stark von der visuellen Wahrnehmung des Betrachters abhängt und somit immer realitiv bleibt, ist mit der von Hambach bevorzugten Palette zwischen Weiß und Grau voller Konflikte: Ohne Genauigkeit sind alle Schattierungen in verschiedenen Räumlichkeiten und Tageszeiten von unterschiedlichen Betrachtern herauslesbar. Also bleibt die Beziehung zwischen Form und Farbe an einem Punkt immer frei und offen: hohe, strenge, konstruktive Symmetrie-Eigenschaften auf der einen Seite, Transparenz, Abstufung, Differenzierung und Räumlichkeit auf der anderen.

Anton Hambach selbst bezeichnet seine Bilder als "Konstruktive Minimalbilder", mit denen sich der Betrachter individuell auseinandersetzen soll. Seine Quadrate tragen keine Namen oder Titel, die die vorurteilsfreie Sicht behindern würden.

Einzug der neuen Technik

Seit 10 Jahren hat der Computer in der alte Mühle in Dunningen seinen Einzug gehalten. Nach zähem Ringen des Menschen mit dem "Affenkasten", begann langsam die Einbeziehung der Maschine in die Phantasie. Farbveränderungen, Verschiebungen werden leichter, der Weg der Grafik in die Druckerei wird überflüssig. Selbst vom ersten Gedanken bis zur Rahmung das Werk in der Hand oder der "Maus" zu haben, ist für den Künstler wichtig. Auf die so in vielen Stunden und Tagen pingelig bis zum Nervenkrieg hergestellten fast meditativen oder sakralen Werke sind verschiedene Galeristen in Kanada und Barcelona aufmerksam geworden: Zwei internationale Wettbewerbe hat Anton Hambach gewinnen können.

In wieweit die Verbreitungsmöglichkeit über das Internet die Kunstwerke auch für die Augen und Ohren eines weltweiten Publikums erfahrbar machen kann, wird der Künstler in der nächsten Zeit feststellen. Galeristen und Kunstinteressierte können von jedem Punkt der Welt aus (www.arthambach.de) die Quadrate aus der alten Mühle in Dunningen betrachten.

Dr. Michael Frohne

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