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Montag, 8. Februar 2010

Impulse AS-35 CHARLIE MINGUS THE BLACK AND THE SINNER LADY


Personnel RICHARD ERICSON tp / RICHARD WILLIAMS tp / QUENTIN JACKSON tb / DON BUTTERFIELD tuba / JEROME RICHARDSON ss, bs, fl / DICK HAFER ts,fl / CHARLES MARIANO as / JAKI BYARD p / JAY BERLINER g / CHARLIE MINGUS b,p / DANNIE RICHMOND dr

Tracks THE BLACK AND THE SINNER LADY: STOP! LOOK! AND LISTEN, SINNER JIM WHITNEY! / HEART’S BEAT AND SHADES IN PHYSICAL EMBRACES / (SOUL FUSION) FREEWOMAN AND OH, THIS FREEDOM'S SLAVE CRIES / STOP! LOOK! AND SING SONGS OF REVOLUTION / SAINT AND SINNER JOIN IN MERRIMENT ON BATTLE FRONT / OF LOVE, PAIN, AND PASSIONED REVOLT, THEN FAREWELL, MY BELOVED, ‘TIL IT’S FREEDOM DAY


Nachdem Ende des Jahres 1962 das gewagte Unternehmen mit der eigenen Plattenfirma „Debut-Records“ gescheitert war und er die Restauflage kurzerhand in den East River gekippt hatte, wurde Impulse, die neue Plattenfirma von Bob Thiele, die musikalische Heimat von Charles Mingus. Und der Bassist lieferte gleich mit der ersten Veröffentlichung „THE BLACK SAINT AND THE SINNER LADY“ ein Meisterwerk allererster Klasse ab – wobei er weniger sein Instrument als vielmehr seine kompositorischen Fähigkeiten in den Vordergrund rückte. Dem reinen Schönklang seines Vorbilds Duke Ellington fügte er eine grosse rhythmische Vielfalt hinzu, dazu kam der politische Aspekt: Auch 1963 war die Befreiung von der Sklaverei in der „American Society“ keineswegs vollzogen! So erklären sich die Untertitel der Suite: Rückbesinnung auf das afrikanische Erbe und Kampf für die Rechte der Schwarzen auf allen Ebenen der politischen und kulturellen Gesellschaft - und die Vision des „Freedom day“!
Solistisch steht das Altsaxophon von Charlie Mariano im Mittelpunkt, auch wenn es eigentlich die Klangfarben und die Tempi-Wechsel sind, die alle 39 Minuten zum Hörvergnügen werden lassen.
Aber Charles Mingus forderte von den Hörern, dieser Musik nicht einfach nur zuzuhören, sondern auch zu tanzen. Es ist damit weniger eine Ballettmusik als eine Vorlage für die eigenen körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten.
Die alten Impulse-Pressungen mit ihren wunderbaren Klappcovern waren presstechnisch fast immer eine Enttäuschung, weil zuviel altes Vinyl re-cycled wurde. Nach beinahe 40 Jahren ist jetzt endlich Gelegenheit, der Studiotechnik jener Jahre die Anerkennung zu zollen, die ihr zusteht. Die Musik haben schon immer alle Kritikern auf die einsame Insel (aber bitte mit Plattenspieler und Stromanschluss!) mitnehmen wollen.

Recording: January 20, 1963 New York City
Production: Bob Thiele / engineer Bob Simpson
Date of release: February 2001

Dr. Michael Frohne
Charles Mingus MINGUS MINGUS MINGUS MINGUS MINGUS Impulse AS-54

Personnel Eddie Preston or Rolf Ericson, Richard Willaism tp
Britt Woodman or Quentin Jackson tb / Don Butterfield tuba /
Jerome Richardson ss, bs, fl / Dick Hafer ts, cl fl / Booker Ervin ts / Eric Dolphy as, fl / Charlie Mariano as / Jaki Byard / Jay Berliner g / Charlie Mingus b / Walter Perkins or Dannie Richmond dr

Tracks II B.S. / I X Love / Mood Indigo / Better get hit in yo‘ soul / Theme for Lester Young / Hora decubitus

Gleich fünfmal erscheint der Name von Charles Mingus auf dem Cover. Die Egozentrik des 1979 Verstorbenen kann man kritisieren, aber hier stellt die Plattenfirma Impulse ihn zu Recht fünfmal ins Rampenlicht: Als Komponisten, Bassisten, Arrangeur, als Dirigenten und Dompteur.

Komponiert hat er 6 der 7 Titel – wenn man das überhaupt „Komponieren“ nennen kann, wenn die Musiker Harmonien übers Telefon vorgesungen oder vorgespielt bekommen und im Aufnahmestudio genau das Gegenteil von ihnen verlangt wird.

Als Bassist treibt er mit seinem fetten Sound die Solisten vor sich her, um sie im nächsten Moment durch abrupte Tempi-Wechsel aus den ausgetretenen Pfaden der Improvisation zu reissen.

Arrangieren hat Mingus bei Duke Ellington gelernt und er hat dessen Arbeitsweise zu übernommen: Noten werden nicht für irgendeinen, sondern speziell nur für einen Einzigen geschrieben. Hier sind das die Besten der Besten: Booker Ervin, Eric Dolphy und Charlie Mariano.

Als Dirigent hat Mingus seine Schlüsselmomente, wenn er mit dem Bass das ganze Ensemble mit seinen spontanen, kontrapunktischen Ideen durchaus autoritär antreibt und leitet.

Wie ein Dompteur in einer Musikergrube hat er sich Zeit seines Lebens gefühlt. Auch bei diesen Aufnahmesessions vom Januar und September 1963 saßen Individuen auf den Hockern; und das waren keine Schmusekatzen, die Herren Byard, Williams, Preston und Richmond!

Anspieltipps gefälligst? Ganz einfach: Jedes Stück ist allererste Sahne. Zumal jetzt auch die Pressqualität ohne die bei alten Impulse-Scheiben üblichen Schlieren im Vinyl Top ist. Und auf den manchmal verwaschenen Sound der Billig-Nachpressungen verzichtet man gerne zugunsten dieses hier endlich durchhörbaren Ensemblespiels.

Recording: January 20 and September 290, 1963 NEW YORK
Production: Bob Thiele
Date of release: March 2003
Norgran MG C-686 or Verve MG V 8027 Recital by Billie Holiday

Personnel Billie Holiday voc / Charlie Shavers tp or Joe Newman tp / Flip Philips ts or Paul Quinichette ts / Oscar Peterson p, org / Herb Ellis or Barney Kessel or Freddie Green g / Ray Brown b / Alvin Stoller, Gus Johnson, Ed Shaughnessy or J.C.Heard dr

Tracks If the moon turns green / Remember / Autumn in New York / My man / Lover come back to me / Stormy weather / Yesterdays / He’s funny that way / I can’t face the music / How deep is the ocean / What a little moonlight can do / I cried for you

Heute sind fast 45 Jahre vergangen, dass Lady Day gestorben ist. Vor fast genau 50 Jahren war sie bei einigen wenigen Konzerten auch im Nachkriegsdeutschland zu sehen und zu hören. Gezeichnet von Prostitution, vom Alkohol, anderen Drogen, den Affären, der Rassendiskriminierung in den USA war ihre Stimme nur eine Erinnerung an grosse Erfolge.
Norman Granz ist es zu verdanken, dass er Billie Holiday in den frühen 50iger Jahren einen neuen, gutdotierten Vertrag unterschreiben liess, die besten Sidemen ins Studio einlud, Arrangeure bezahlte und ihr Gelegenheit bot, die alten Songs erneut zu singen, um so das Können dieser grossen Sängerin für die Nachwelt in bester Tonqualität zu konservieren.
Recital – also „Vortrag“ nennt sich diese Zusammenstellung der Titel aus den Jahren 1952 und 1954, die mit wechselnden Begleitungen aufgenommen worden sind. Alle Musiker halten sich im Respekt vor Billie Holiday zurück; selbst Oscar Peterson ist ein einfühlsamer Begleiter und Paul Quinichette beweist seine Qualität als vollwertiger Lester Young Ersatz.
Interessant ist das Repertoire aus den Musicals und den Songbooks zwischen 1921 und ca.1935: Lady Day schafft es, selbst in schnulzige Vorgaben ihre Persönlichkeit und ihre Lebensgeschichte einzubringen. Sogar die schnellen Tempi wie bei „What a little moonlight can do“ – eines der Paradestücke der LP – bekommen einen eigenen Stempel aufgedrückt.
Nicht nur die angehenden Sängerinnen sollten sich diese 12 Meisterstücke mindestens einmal pro Woche einverleiben, auch für die passiven Musikgeniesser gibt es hier Diamanten allererster Güte und Reinheit zu entdecken.

Recording: ca.May, July 27, 1952 and April 14, 1954 NEW YORK
Production: Norman Granz
Date of release: December 2003
Clef MG C-669 Billie Holiday Music for torching

Personnel Billie Holiday voc / Harry Edison tp / Benny Carter as / Jimmy Rowles p / Barney Kessel g ?/ John Simmons b / Larry Bunker dr

Tracks It had to be you / Come rain or come shine / I don’t want to cry anymore /
Ghost of a chance / A fine romance / Gone with the wind / I get a kick out of you / Isn’t it a lovely day

Billie Holiday – “The lady sings the blues” so wird sie von den Fans genannt, obwohl sie nicht mehr als 3 Blues-Titel in ihrem Leben gesungen hat. Die Ehrenbezeichnung sollte eher lauten: “The lady who sings the songs“, denn sie haucht wie keine andere Sängerin den grossen amerikanischen Songs des Showbusiness der 30iger und 40iger Jahre neues Leben ein.

Die Komponisten bei diesen Aufnahmen in Los Angeles 1955 für Norman Granz Label CLEF sind nicht aus der ersten Garde der Musical- und Songschreiber – sieht man mal von Duke Ellington ab , die Musiker stammen von der Westküste oder sind dort zu Hause und Solisten allererster Güte. Die Arrangements – so vermute ich – besorgte Benny Carter und alle 8 Titel werden zu Top-Interpretationen, an denen sich noch heute die Sängerinnen orientieren.

„Music for torching“ – Musik bei Kerzenschein – so die freie Übersetzung – lautet das Programm, dem sich die Tempi der Titel und die Tongebung der Solisten unterordnen. Alles schön stimmungsvoll, aber ohne Schmalz. Dafür garantiert auch die von Alkohol und Drogen gezeichnetet Stimme. Schnulzig wird das Ganze nie, jeder Titel ist geprägt von den Exzessen, aus denen das Leben von LADY DAY bestand. Was durch den LP-Titel vorgegeben wird, erweist sich als einziges Manko: Es herrscht auf beiden LP-Seiten ein gleichmässiges, eben balladeskes Tempo vor.

In der heutigen schnelllebigen Hektik des ultrakurzen Video- und Audioclips dürfte aber gerade das zum Verkaufserfolg dieser LP beitragen. Wie beliebt Billie Holiday heute immer noch ist, lässt sich auch daran abhören, dass oft ihre Stimme bei den Jazzsendern im Internet zu hören ist. Da werden sich doch viele anregen lassen, mal eine ganze LP hören zu wollen, oder?

Recording: August 23 + 25, 1955 Los Angeles, CA
Production: Norman Granz
Date of release: September 2008
BILLIE HOLIDAY LADY SINGS THE BLUES Clef MGC 721

Personnel (1) Billie Holiday voc / Charlie Shavers tp / Anthony Sciacca (= Tony Scott) cl / Paul Quinichette ts / Wynton Kelly p / Kenny Burrell g / Aaron Bell b / Leonard Browne dr

(2) Billie Holiday voc / Harry Edison tp / Willie Smith as / Bobby Tucker p / Barney Kessel g / Red Callender b / Chico Hamilton dr

Tracks (1) Lady sings the blues / Trav’lin‘ light / I must have that man / Some other spring / Strange fruit / No good man / God bless the child / Good morning heartache
(2) Love me or leave me / Too marvelous for words / Willow weep for me / I thought about you

Obwohl sie in ihrer langen Karriere von 1933 bis 1959 kaum mehr als ein Dutzend reine Bluestitel im Repertoire hatte, stempelten alle Musikkritiker Billie Holiday immer als „Lady sings the blues“ – und so wird sie noch heute eingeordnet. Stattdessen waren die Aufnahmen für Columbia in den 30iger Jahren und die Titel für Clef bzw. Verve zwischen 1953 und 1957 eine an Abwechslung reiche Mischung aus dem amerikanischen Songbook und Eigenkompositionen.
Ihre Interpretationen von Themen wie „Willow weep for me“ oder „I thought about you“ haben den Standard gesetzt, an denen sich alle Nachfolgerinnen messen lassen müssen. Gleichzeitig sind eindrückliche, ja beinahe bildhafte Balladen wie „Strange fruit“ und „God bless the child“ untrennbar mit Billie Holidays Leben und Stimme verknüpft - und nur sie alleine dürfte sie singen!
Reuemütig legt der Sammler nach einer lieblosen und oft banalen Billie Holiday –Memorial CD der Sängerin XY, das Original auf.

Ihre Stimme war immer in das Klanggewebe der sie begleitenden Musiker eingebettet: Tony Scott und der Vize-Präsident (Lester Young war der „Prez“!) Paul Quinichette setzten hier Mitte der 50iger Jahre die Akzente und auch die Rhythmusgruppe mit Barney Kessel, Kenny Burrell und Chico Hamilton ist erste Klasse. Der Trompeter Harry „Sweets“ Edison, ein Weggefährte aus der Count Basie-Band, umspielt einfühlsam die reife Stimme von Billie Holiday.
Wie gut die alten Clef-Aufnahmen von Norman Granz klingen können, ist auf dieser Re-issue im originalen Cover zum ersten Mal zu hören. Es dürfte ausserdem kaum jemanden geben, der im Funier-Holz-Wohnzimmer-Plattenschrank ein technisch einwandfreies Exemplar von MGC 721 stehen hat.

Recording: NYC (1) June 6 & 7, 1956 / (2) September 3, 1954
Production: Norman Granz
Date of release: July 2002

Dienstag, 2. Februar 2010

ELLA FITZGERALD SINGS THE GEORGE AND IRA GERSHWIN SONG BOOKS

Verve VS-6082-5

Personnel ELLA FITZGERALD voc / NELSON RIDDLE arr,cond / u.a DON FAGERQUIST tp / BOB COOPER ts / LOU LEVY p / ALVIN STOLLER dr

Tracks
Vol#1 SAM AND DELILAH / BUT NOT FOR ME / MY ONE AND ONLY / LET’S CALL THE WHOLE THING OFF / BEGINNER’S LUCK / OH, LADY BE GOOD / NICE WORK IF YOU CAN GET IT / THINGS ARE LOOKING UP / JUST ANOTHER RHUMBA / HOW LONG HAS THIS BEEN GOING ON? /

VOL #2 ‘S WONDERFUL / THE MAN I LOVE / THAT CERTAIN FEELING / BY STRAUSS / SOMEONE TO WATCH OVER ME / THE REAL AMERICAN FOLK SONG / WHO CARES? / LOOKING FOR A BOY / THEY ALL LAUGHED / MY COUSIN FROM MILWAUKEE / SOMEBODY FROM SOMEWHERE

VOL.#3 A FOGGY DAY / CLAP YO‘ HANDS / FOR YOU FOR ME FOR EVERMORE / STIFF UPPER LIP / BOY WANTED / STRIKE UP THE BAND / SOON / I’VE GOT A CRUSH ON YOU / BIDIN‘ MY TIME / AREN’T YOU KIND OF GLAD WE DID? / OF THEE I SING (BABY)

VOL.#4 “THE HALF OF IT DEARIE“ BLUES / I WAS DOING ALL RIGHT / HE LOVES AND SHE LOVES / LOVE IS SWEEPING THE COUNTRY / TREAT ME ROUGH / LOVE IS HERE TO STAY / SLAP THAT BASS / ISN’T IT A PITY? / SHALL WE DANCE? / LOVE WALKED IN / YOU’VE GOT WHAT GETS ME

VOL.#5 THEY CAN’T TAKE THAT AWAY FROM ME / EMBRACEABLE YOU / I CAN’T BE BOTHERED NOW / BOY! WHAT LOVE HAS DONE TO ME! / FASCINATIN‘ RHYTHM / FUNNY FACE / LORELEI / OH ,SO NICE / LET‘ KISS AND MAKE UP / I GOT RHYTHM

10inch THE AMBULATORY SUITE / THE PRELUDES

Recording: January 5 – July 18, 1959 Los Angeles,LA
Production, Norman Granz
Art Direction, Sheldon Marks

“You can’t go wrong with a Gershwin-tune!“ – so die häufige Ansage in den Ella Konzerten – ob mit einer Big Band, im Duo mit Joe Pass oder bei Jazz at the Philharmonic Jam Sessions. Und stets konnte sie sicher sein; jeder der Musiker und jeder im Publikum kannte den Song.
Die schwierige Aufgabe, aus tausenden von Musical-Songs und Eintagskompositionen vom Duo George und Ira Gershwin die besten herauszupicken, übernahm der Produzent Norman Granz. Über 1 Jahr benötigte der Arrangeur und Orchesterchef Nelson Riddle, die schließlich ausgewählten „best of“ vom Broadway-Touch zu befreien und ihnen ein Jazz-Gewand zu verpassen. Und Ella hatte ein halbes Jahr Zeit, aus den Songs im Studio schließlich die Endfassung herauszuholen – ein Riesenprojekt, was nur bei einem Mega-Konzern wie Verve bezahlbar war.
Alle der Songs sind dutzende, ja hunderte Male von Interpreten aus dem American Musical Business gesungen worden. Fast alle sind zigfach von Jazz-Vokalisten und –Instrumentalisten in unterschiedlichsten Besetzungen interpretiert worden – mal konventionell, mal avantgardistisch. Die „endgültige und beste“ Interpretation kann und wird es nie geben, sicher ist jedoch, dass Ella in ihrem Gershwin-Songbook eine ganze Reihe von „first-class-Versionen abliefert – und immer sind die Songs mit den dazu gehörenden Einleitungen in der kompletten Fassung!
Die grosse Bandbreite zwischen Broadway und swingendem Jazz, den die Gershwin-Brüder ausgelotet haben, bietet Ella eine willkommene Gelegenheit, an den stilistisch unterschiedlichen Songs ihre grosses, breitgefächertes Talent zu präsentieren. Wenn die Vorlagen „The man I love“, „Let’s call the whole thing off“, „They can’t take that away from me“ heissen, wächst sie über sich hinaus. Wenn es Songs wie „Boy! What love has done to me“ oder der Ragtime „Real American Folk Song“ sind, dann kann sie ihren Humor voll aussingen. Die Version von „Lady be good“ ist wahrscheinlich die einzige ohne Scat-Gesang und wird als Ballade interpretiert, die Standards „Embraceable you“ und „A foggy day“ sind stimmlich allererste Klasse, auch wenn sie ein wenig Wärme vermissen lassen. „Slap that bass“ und „Who cares“ sind reine Jazz-Swing-Nummern und zeigen die Seelenverwandtschaft der Gershwins zum Jazz „dem einzigen Kulturbeitrag Amerikas“ (Zitat).

Die Arrangements von Nelson Riddle, der ja schon Frank Sinatra Alben neu orchestriert hatte, sind handwerklich perfekt – manchmal etwas bieder, loten aber den Big-Band-Sound hinter der Rhythmusgruppe und Ellas Stimme, die in den 60iger Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Möglichkeiten war, voll aus.

Die Abmischung war perfekt, nur die bisher erschienenen Wiederveröffentlichungen für Europa lieferten Prasseln und Rauschen mit. Dem wird jetzt mit der schweren audiophilen Neuveröffentlichung abgeholfen. Ein Grund mehr, sich die 5er Box ins Regal zu stellen – und beim Hören zu geniessen!

Dr. Michael Frohne

Donnerstag, 7. Januar 2010

Jazz at the Philharmonic in Europa – Von Hot bis Cool

(Artikel für die LP-Box JATP in Europe - erschienen bei Speakers Corner)


- Der Beginn -
Am Sonntagnachmittag, den 2.Juli 1944, wurde in der Jazzgeschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der Ort war das Philharmonic Auditorium in Los Angeles, der verantwortliche Organisator hieß Norman Granz und die Hauptdarsteller hörten auf die Namen Illinois Jacquet, J.J. Johnson, Coleman Hawkins, Nat King Cole und Les Paul. Die Idee, in einem klassischen Konzertsaal für ein gemischtrassiges Publikum schwarze und weisse Musiker auf die Bühne zu stellen, war in den 40iger Jahren ein echtes Wagnis mit ungewissem Ausgang. Nur ein kompromissloser, starrköpfiger Mann wie Norman Granz konnte bei den Verhandlungen mit den öffentlichen Behörden erfolgreich sein: Neben der Aufhebung der Rassentrennung im Publikum bot er gleiche Bezahlung für alle Musiker, Garderoben in bester Ausstattung und eine super Betreuung für Solisten und Begleitmusiker gleichermaßen. Zwei Jahre lang fanden die Konzerte in Los Angeles im monatlichen Rhythmus statt. Die Jazzmusiker nicht nur der Westküste spielten gerne nach den rauchigen kleinen Jazzclubs in der grossen mondänen concert hall, alle, Billie Holiday, Charlie Parker, Lester Young oder Dizzy Gillespie, genossen diesen neuen Flair, und auch die soziale Anerkennung, die die Konzerte ihnen gaben.

- Die Tourneen –
Im Sommer 1946 war New York der erste Ort an der Ostküste, wo ein JATP-Konzert stattfand. Auf dem Weg dorthin, rief die Idee von Norman Granz, die Klassik-Konzert-Hallen auch in anderen US-Städten für den Jazz zu öffnen, die Befürworter der strengen Rassentrennung auf den Plan: Örtliche Veranstalter, die diese forderten, bekamen von Granz eine Absage. Getrennte Bühneneingänge für schwarze und weisse Musiker ließ er nicht zu, in Hotels mit Segregation mietete er keine Zimmer für die Musiker. New York war da ein weniger schwieriges Pflaster. Die Carnegie Hall mit ihrem grossen Saal, in der schon am 16.Januar 1938 das legendäre Benny Goodman Konzert stattfand, sollte bis zum Ende der fünfziger Jahre fester Auftrittsort für die weiteren Konzerte sein. Die Musiker waren die Bekanntesten jener Jahre: Roy Eldridge, Flip Phillips, Coleman Hawkins, Charlie Parker, Ella Fitzgerald und der sensationelle, immer lächelnde und immer hungrige junge Mann, den Norman Granz aus Kanada importierte und der allen Pianisten durch seine überragende Technik und Schnelligkeit das Fürchten lehrte: Oscar Peterson. In den USA hatten die JATP-Konzerten in den USA ihren künstlerischen und kommerziellen Höhepunkt erreicht. Diesen Bekanntheitsgrad nutzte Norman Granz zum Ausbau seiner Konzertagentur und zur Gründung eines neuen Schallplattenlabels mit Namen Verve. Teil-Mitschnitte der Konzerte waren schon in den 40iger Jahren als 78rpm erschienen, wobei die langen Titel oft auf mehrere Seiten der Clef, Norgran und Mercury Schellacks verteilt werden mussten. Jetzt boten die 10inch und dann die 12inch LP’s den Jazzfans in aller Welt die Chance, die Improvisationen ihrer Stars ohne lästiges Plattenwenden zu geniessen.

Granz begann auch, die Musiker weltweit auf Konzerttourneen zu schicken: Kanada, Australien, Japan und Europa hatten ja ebenfalls Philharmonie Hallen. Bis zu sieben Monaten waren die Musiker unterwegs, teilweise spielten sie zwei Konzerten an einem Tag. 1957 stoppte Granz die JATP-Konzerte in den USA, die Konzerte in Japan und vor allem in Europa fanden weiter statt. Der Hunger der Fans nach der ersten Generation mit Lester Young, Ella und Oscar Peterson auch die neuen Avangardisten Miles Davis, Stan Getz und John Coltrane zu sehen und zu hören war grenzenlos. Der Konzertbus startete meist in Schweden oder Dänemark und führte über Deutschland, Holland, Belgien nach Paris, um in Lausanne, Zürich oder Mailand zu landen.
Seine Liebe zu Europa und die Bewunderung für Pablo Picasso veranlassten Norman Granz 1959, ein Chateau in der Schweiz zu kaufen und für immer dort zu leben. Seinem gefassten Vorsatz: „Niemals wieder JATP! Ich mache zwar Profit, aber es ist zu viel Arbeit und for allem zu viel Ärger“ blieb er für die nächsten Jahre treu.
In der Zusammenarbeit mit dem Organisator Claude Nobs für das Montreux Jazz Festival 1975 weckte Norman Granz die alten Geister zu neuem Leben: Ella, Count Basie, Milt Jackson und Dizzy Gillespie trafen sich dort zu neuen Jam Sessions; erweitert wurde der Konzertreigen durch alte und junge, schwarze und weisse, bekannte und damals weniger bekannte Musiker: Mary Lou Williams, Tommy Flanagan, Benny Carter und Ray Bryant. Die Abschlußtournee fand 1983 in Japan statt – u.a. Ella Fitzgerald und Oscar Peterson sind so auf Norman Granz letztem Label Pablo zu hören.

- JATP in der Kritik –

Bei allem Lob, welches die Konzertserien weltweit von Hörern und Sehern, von Freizeit- und Profi-Journalisten erfuhren, gibt es doch eine Reihe von gut- oder weniger gutmeinenden Kritikern, die die Schwachpunkte herausstrichen. Leonard Feather lobte die Aufwertung des Jazz, … „von einer Untergrund-Kultur, die selten ernst genommen wurden und meist abseits in Tanzhallen und Nachtclubs aufgeführt wurde“. Andere hoben die wichtige Gleichberechtigung von Schwarzen und Weissen – Musiker und Publikum – hervor. Dem gegenüber stehen andere Überzeugungen: sinnlose Hahnenkämpfe, wer der schnellste mit dem längsten Atem sei, wären auf den Bühnen ausgetragen worden; Musiker verschiedener Stilrichtungen hätte man aufeindergehetzt; Alte, die längst den Zenit ihres Könnens überschritten auf Junge, die unreifes wütendes Gehupe von sich gegeben hätten, treffen lassen. Fest steht jedenfalls, dass es Norman Granz zu verdanken ist, dass Höhepunkte wie das Konzert in der Carnegie Hall vom Sommer 1946 mit Billie Holiday und Charlie Parker, das Pittsburgh Konzert mit dem Aufeinandertreffen von Buck Clayton, Coleman Hawkins und Flip Phillips bei „How high the moon“ zustandekamen und auch heute noch angehört werden können. Ohne die Konzertreisen von JATP durch Europa hätte es hier sicher hier nicht so viele Jazzfans gegeben - und vor allem nicht die schnelle Entwicklung zur Eigenständigkeit der Jazz-Musiker. Norman Granz und seinen europäischen Co-Veranstaltern gebührt grösstes Lob.


Wichtige Aufnahmen

The Complete Jazz at the Philharmonic on Verve 1944 -1949 (10 CD Box) Verve - Musiker: Illinois Jacquet, Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Charlie Parker, Lester Young, Gene Krupa, Oscar Peterson

JATP in Frankfurt 1952 Pablo - Musiker: Roy Eldridge, Lester Young, Max Roach

JATP in Tokyo 1953 Pablo - Musiker: Charlie Shavers, Roy Eldridge, Benny Carter, Ben Webster, Ella Fitzgerald

JATP in London 1969 Pablo - Musiker: Dizzy Gillespie, Clark Terry, James Moody, Teddy Wilson

JATP at the Montreux Festival 1975 Pablo - Musiker: Clark Terry, Zoot Sims, Benny Carter, Joe Pass


- JATP in Europe –

Auch wenn unstrittig die 40iger und 50iger Jahre die hohe Zeit der JATP-Jam-Sessions gewesen ist, bieten die für das Label Verve gemachten Mitschnitte vom November 1960 aus Stockholm reichlich Hör- und Gesprächsstoff. Die 4 LP’s mit den eher untypischen Covern ohne die Zeichnungen von David Stone Martin sind als Zeitdokumente für den Jazz der 60iger Jahre gutes Anhörmaterial.
Norman Granz hatte für seine Konzerttourneen durch die Länder Europas in jedem Land ein Promo-Büro gefunden, um sich Arbeit von den Schultern nehmen zu lassen, um das finanzielle Risiko zu verteilen, aber auch um die Erfahrung dieser Promoter zu nutzen.

In Deutschland war die Agentur von Horst Lippmann und Fritz Rau mit der Organisation der Konzerte beauftragt worden. Am 19.August 2009 ergab sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Fritz Rau.

Wann hat Norman Granz mit den Europatourneen mit Jazz at the Philharmonic begonnen?

Granz hat in den frühen 50iger Jahren mit den Tourneen angefangen. Dann ging er zu AFN und fragte: Habt Ihr einen, der mich bei den Konzerten unterstützen kann? Da wurde ihm der Name Horst Lippmann genannt. Lippmann war während des Krieges im Hot Club Frankfurt, der 1953 gegründet wurde und war im Gestapo-Gefängnis. Nach dem Krieg, Ende der 40iger Jahre, hatte Horst Lippmann viele der amerikanischen Musiker, die nach Paris übergesiedelt waren, kennengelernt und brachte diese zu Konzerten nach Frankfurt. Ich kam zu Horst Lippmann dazu 1956. Norman Granz suchte einen Gepäckträger für seinen Tourneen. So war mein erstes JATP Konzert 1956 mit Ella und Oscar Peterson und da bin ich für meine Idole gerannt. Horst Lippmann hat die Tourneen organisiert und ich wurde von ihm zum Tourneeleiter gemacht. 1960 habe ich dann eigenständig die Tourneen von Marlene Dietrich, Nat King Cole und das Quincy Jones Orchestra organisiert.

Wie war denn Ihr Verhältnis zu Norman Granz?

Er war mein Lehrer. Ich verdanke ihm sehr viel, er hat mich Denken gelehrt. Ich wollte nie so werden, wie er, habe ihn aber später total kopiert. Wenn er wütend hat er gebrüllt: „Life is too short! I’m sick and tired of you!“. Er war sehr temperamentvoll und hat mich oft mal – für fünf Minuten – gefeuert. Ein Satz von ihm hat meein Leben verändert: „If you are nice to people you cannot be good to friends.”
Er hat mal scherzhaft gesagt: „Eigentlich brauchte ich Dir gar nichts zu bezahlen.“ Dankeschön sagen, das konnte er nicht, aber am Ende der ersten Tournee hat er mir eine goldene Uhr geschenkt. Ich habe viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Zeitweise ging das bis an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit, denn er fragte nie nach den Bedürfnissen der Menschen, die er bezahlte.

Wir waren die Koordinatoren seiner Konzerte in Europa. Dadurch bekamen wir die Chance, eigene Konzerte zu organisieren. Mit dem American Folk Blues Festival wurden wir Konkurrenten. Je mehr wir mit eigenen Ideen wie z.B. mit den Gospel-Festivals oder dem Flamenco-Festivals Erfolg hatten, desto merkwürdiger wurde er und das gute Verhältnis kühlte ab. Als er uns die Ausländersteuer für die Musiker aufzwingen wollte, kam es am Telefon zum entgültigen Bruch, nachdem wir uns gegenseitig fürchterlich angeschrien hatten. Ich kann sagen: Er hat mir viele Details unseres Geschäfts beigebracht, und er hat mich viel Kraft gekostet!

Haben Sie bei der Promotion der JATP Konzerte noch mit anderen Organisationen zusammenarbeiten können?

Lippmann und Rau waren die Konzertreferenten der Deutschen Jazz Föderation, dem Zusammenschluss der Hot Clubs in mehreren deutschen Städten. Dieter Zimmerle und Olaf Hudtwalker waren die ersten Präsidenten und Joachim Ernst Berendt war der Pressemann. Neben der Konzertleitung für Norman Granz habe ich deutsche Jazzmusiker gemanagt. Dazu gehörten Emil und Albert Mangelsdorff und die Two Beat Stompers, die Reihe „Kammermusik in Jazz“ begründet und begleitet und Horst Lippmann hat 1952 das bis heute bestehende, älteste Jazzfestival der Welt in Frankfurt veranstaltet.

Wie ging ihre Zusammenarbeit mit JATP zuende?
Jede Idee, sei sie noch so brilliant, läuft sich irgendwann zu Tode. Es gab ja jedes Jahr oder alle zwei Jahre eine Tournee, manchmal sogar zwei in einem Jahr. Der Zuspruch des Publikums war nicht mehr gut und dann hat Norman Granz umgeschaltet und Zweier-Packages gemacht wie Jimmy Smith und die Supremes oder Ella und Duke Ellington. Die letzten Tourneen wie 1975 liefen ohne uns, es hat der Pusch gefehlt, wie er 1955 bis 1960 noch vorhanden war. Auch weil sich Oscar Peterson von Norman Granz getrennt hatte. Der persönliche Kontakt zwischen mir und Norman Granz brach ab. Er hat uns zwar nach Genf eingeladen, die Konzerte mit ihm zu planen, aber darüber bin ich sehr traurig, dass diese Treffen nicht zustande kamen.

Dr. Michael Frohne
Verve V/V6-8539/8540/8541/8542 JAZZ AT THE PHILHARMONIC IN EUROPE

Die Zahl der Jazzfans, die die Konzertreihe „Jazz at the Philharmonic“ noch live-erlebt hat, dürfte sehr klein geworden sein. Der Ruf, den diesen Sessions auch im 21.Jahrhundert unter Alten und Jungen gleichermassen nachgeht, ist jedoch legendär.

Der Konzert-Promoter Norman Granz brachte schon Mitte der fünfziger Jahre seine Giganten nach Europa. Waren es zunächst Oscar Peterson, Illinois Jacquet und Ella Fitzgerald, die die fans in Hamburg, Berlin, Paris und Brüssel von den Stühlen rissen, folgten im November 1960 die Begegnungen zwischen alten und jungen, zwischen schwarzen und weissen Solisten. Beim Konzert am 21.November im überfüllten Konserthuset in Stockholm trafen sich Coleman Hawkins, Benny Carter und Don Byas mit Stan Getz, Cannonball Adderley, Leo Wright und JJ Johnson - und die beiden Trompeter Roy Eldridge und Dizzy Gillespie waren die stilistischen Bindeglieder. Auch die Themen lieferten neue Perspektiven: Bernie’s tune, Kush, All the things you are und Trotting sind hörbar deutlich echte Herausforderungen für die alten Cracks. Souverän treten die Jungen, die zum Teil noch zur Avantgarde zählten, in ihre Fussstapfen: ein Stan Getz ohne Bossa Nova Cliches, ein Cannonball Adderley, soulig und funkig und ein groovender J.J.Johnson.

Auch wenn unstrittig die 40iger Jahre die hohe Zeit der JATP-Jam-Sessions gewesen ist, bieten die für Norman Granz’ Label Verve gemachten Mitschnitte vom November 1960 reichlich Hör- und Gesprächsstoff. Die inzwischen zu Sammlerstücken mutierten 4 LP’s sind ohne Knack- und Kratzgeräusche jetzt zum ersten Mal nach fast 50 Jahre - ungetrübt von Billig-Vinyl aus zweiter Hand - voll geniessbar.


Recording: November 21, 1960 Stockholm, S

Production: Norman Granz

Dr. Michael Frohne
SABA SB 15165 STEREO TRIP TO THE MARS - ORCHESTER ROLAND KOVAC

Personnel JIMMY DEUCHAR tp / CLIFF HARDY tb / DEREK HUMBLE as / CHARLES DREWO ts / FRANCIS COPPIETERS p / JOHNNY FISCHER b / JIMMY PRATT dr / STUFF COMBE perc / ROLAND KOVAC comp,arr,cond

Tracks SPACE STATION I / SERVICE I / HEAT / SOUND BARRIER / MARSSONDE / NORTHERN LIGHTS / SERVICE II / THE GREEN STAR / MUNICH ON THE MARS / POWER PART / MILKY WAY / COLOSSUS / SERVICE III / COMPUTER / MOONCRATER / BLUE DANCE / SPACE STATION II

Endlich ist diese sehr seltene Konzept-LP des Pianisten und Arrangeurs Dr.Roland Kovac wieder erhältlich. Das Coverphoto ist eine Augenweide, so wie die Musik ein Genuss für die Ohren ist.
Ursprünglich war die Musik als Werbegag für ein Atomkraft-werk aufgenommen worden. Dieses wurde jedoch nie in Betrieb genommen. Aber Roland Kovac konnte glücklicherweise die Firma SABA überzeugen, die Produktionskosten und die Tonbänder zu übernehmen.
Die Solisten stammen aus der Kurt Edelhagen Big Band beim WDR und sind hervorragende Interpreten dieser schwierigen Kollage von kurzen Melodie-fragmenten.
Die Jazzfreunde werden besonders an „Service II“ ihre Freude haben, für den nötigen Humor sorgt „Munich on the Mars“. Derek Humble, einem der wohl besten Saxophonsatzführer der Big Band Geschichte, bieten die Themen Raum für kleine musikalische Kostbarkeiten. Insgesamt ist die LP nicht nur ein Zeitdokument, sondern kann auch vierzig Jahre nach dem Aufnahmedatum dem futuristischen Coverphoto entsprechenden hochmusikalischen Inhalt bieten.

Recording: February, 1968 Köln, D
Production: Roland Kovac (producer)
Date of release: October 2000

Dr.Michael Frohne
SABA 15122 ST "Swinging The Jazz" mit der tschechischen Big Band Gustav Brom

Personnel u.a ARTUR PAVLICEK, JAROMIR HNILICKA, ALFA SMID, JOSEF PELC, MOJMIR BARTEK TP / FRANTISEK NAVRATIL AS / ZDENEK NOWAK, BRONISLAW HORAK TS / JOSEF AUDERS BS / JOSEF BLAHA P,ORG / IMRE MOZI B / VACLAV SKALA DR / HELENA BLEHAROVA VOC / GUSTAV BROM LEADER

Tracks LYPSO / DEDICATED TO ERIC / CONTRABAND / SUMPF / ABAS / MOON RIVER / BALLADE VON JOSEF / KATER PETER / WALDMÄDCHEN / EIGENARTIGE VERWANDTE / TASCHKENTER NÄCHTE

Das beste Aushängeschild für den Jazz aus der damaligen Tschechoslovakei war ohne Zweifel die Gustav Brom Big Band. Immer wieder berichteten die europäischen und ame-rikanischen Jazzer, die auf den Festivals in Prag, Bratislava oder Brünn spielten, von den hervorragenden Solisten und Arrangeuren dieser Band. Leider waren die internationalen Plattenfirmen aber nicht an Qualität interessiert, sondern an Verkaufszahlen. Glücklicherweise liess sich die Firma SABA aus dem Schwarzwald davon nicht leiten, was zur ersten reinen Jazz-Einspielung dieser Big Band unter optimalen Studio-bedingungen führte. Zum Repertoire steuerten die Musiker der Band zehn hervorragend ausgeschriebenen Kompositionen bei, dazu der Welthit von Henry Mancini „Moon river“ – neu bearbeitet von Zdenek Nowak.
Ein wichtiges Kennzeichen der Band war – und das ist besonders bei „Lypso“ und „Contraband“ zu hören, die ungeheure Spielfreude aller Solisten. Zusammen mit grosser Sicherheit in allen Stilrichtungen zwischen Dixie und Modern machen die Aufnahmen mit der Gustav Brom Big Band zu einem eigenständigen Beitrag zur Historie der Big Bands im Jazz. Und für die Sammler, die damals den amerikanischen Original-Big Bands den Vorzug gaben, bietet die Neupressung sicher Gelegenheit, ihr Vorurteil, dass eine europäische Band nicht swingen könne, zu revidieren.

Recording: February 16, 1967 SABA-TONSTUDIO, Villingen
Production: Hans Georg Brunner-Schwer (producer) / Rolf Donner (engineer)
Date of release: October 2000

Dr. Michael Frohne
NATHAN DAVIS THE HIP WALK SABA SB 15063 ST

Personnel Nathan Davis ts,ss,fl / Carmell Jones tp / Francy Boland p / Jimmy Woode b / Kenny Clarke dr
Tracks THE HIP WALK / WHILE CHILDREN SLEEP / TRAIN OF THOUGHT / YESTERDAYS / THAT KAYCEE THING / CARMELL’S BLACK FOREST WALTZ / B’S BLUES



Zu Recht kann man die fünf Musiker, die sich bei der Aufnahmesitzung am 1.Sep-tember 1965 im Villinger SABA-Tonstudio trafen, als Kosmo-politen bezeichnen. Kenny Clarke aus Pittsburg, PA, bekannt auch unter dem Moslem Namen Liaquat Ali Salaam, wurde in Paris heimisch; Jimmy Woode aus Pennsylvania lebte mit seiner javanischen Frau in Köln und Holland; Francy Boland, der belgische Arrangeur und Pianist wohnte in Berlin und leitete in Köln „die“ europäische Big Band; Nathan Davis stammt aus dem zweiten großen Zentrum des Jazz, aus Kansas City und lebte mit seiner deutschen Frau in Paris und Carmell Jones, sein „buddy“ aus frühen Jahren, sagte von sich, dass er ein Berliner sei.
So wie die Musiker aus verschiedenen geographischen Richtungen zusammen gefunden haben, so trafen sie sich auch auf gleichem musikalischem Terrain: Das Schlüsselstück „THAT KAYCEE THING“ bezieht die Tradition ein, ohne nostalgisch zu wirken, portraitiert das aufgeregte Nachtleben und schlägt die Brücke zwischen dem Swing eines Count Basie und dem Be-bop Charlie Parkers. Leichte, melodische Linienführungen wie beim „BLACK FOREST WALTZ“ sind neben der zupackenden John Coltrane und Eric Dolphy Widmung „TRAIN OF THOUGHT“ die herausragenden Markenzeichen dieser Superband, die mit der besten Rhythmusgruppe des modernen Big-Band-Jazz bestückt ist. Ein „Square“ konnte und kann zu dieser Musik nicht tanzen, einem „Hip-Man“ sollte sie direkt in die Beine fahren!

Recording: September 1, 1965 SABA-Tonstudio, Villingen
Production: Joachim E.Berendt / Recording engineer: Rolf Donner
Date of release: October 2000

Dr. Michael Frohne
WOLFGANG DAUNER THE OIMELS MPS 15248 STEREO

Personnel Wolfgang Dauner piano, organ, vocal / Pierre Cavalli guitar / Siegfried Schwab guitar, sitar / Roland Wittich drums, vocal / Eberhard Weber bass, cello,

Tracks Oh Baby I Don’t Love You Anymore / Take Off Your Clothes To Feel The Setting Sun / My Man’s Gone Now / Come On In On In / Dig My Girl / Greensleeves / Uwiii / A Day In A Life


Eines machen diese Aufnahmen aus der „Hoch“zeit der Flower-Power-Euphorie Ende der sechziger Jahre sicher nicht:
Ausgetretene Pfade benutzen, um kommerziell abzusahnen. Stattdessen werden Klang-kombinationen mit der indischen Sitar konsequent zu Neuinterpretationen von Stan-dards wie „Greensleeves“ und dem Thema aus „Porgy And Bess“ „ My Man’s Gone Now“ genutzt und auch „A Day In A Life“ vom „Sergant Pepper“-Album der Beatles ist alles andere als ein Abklatsch von allzu Bekanntem. Stattdessen können die DJ’s der heutigen Zeit mit gerade diesen Titeln beide Generationen auf die Tanzfläche locken: die Alt-Hippies und ihre Kids.
Es ist eine gelungene Melange aus Pop und Jazz, Rock und Folk, die der Stuttgarter Keyboarder Wolfgang Dauner angerührt hat; für die kritischen Anhänger der reinen Lehre war die Musik 1969 sicher nicht zu katalogisieren.
In der Jetztzeit sind die Schubladen der Puristen glücklicherweise weitgehend abgeschafft und „The Oimels“ (eine schwäbische Bezeichnung für zwar seltame aber pfiffige, gewitzte Zeitgenossen) bietet Beides; ein Tanz- und Hörerlebnis. Dazu trägt auch die ausgezeichnete Stereoabmischung des Teams Brunner-Schwer und Rolf Donner aus dem Schwarzwälder MPS-Stall bei. Und die Covergestaltung von Wolfgang Dauner und Roland Wittich ist mindestens ebenso kraftvoll und originell wie die Musik.

Recording: July 1969 SABA-TONSTUDIO, Villingen
Production: Hans Georg Brunner-Schwer
Sound engineer: Rolf Donner

Date of release: Oktober 2000
Dr. Michael Frohne
PIANO x 4 SABA SB 15035

Personnel Wolfgang Dauner 4: Joki Freund as / Wolfgang Dauner p / Eberhard Weber b / Charlie Antolini dr
Elsie Bianchi 3: Elsie Bianchi p / Siro Bianchi b / Hansjörg Schmidt dr
Dieter Reith 5: Dieter Reith p / Peter Witte b / Charlie Antolini dr / Hermann Mutschler timpales / Kurt Bong bongos
Modern Jazz Group Freiburg: Ewald Heidepriem p / Hans Kennell tp / Gustl Mayr ts / Peter Baumeister dr/ Karl-Theodor Geier b
Tracks Take the A-train / Waltz for a young girl / Take the Coltrane / Baron Lazar / What is this thing called love / Willow weep for me / Goofin‘ each other / You do something to me / Big „P“


Eine der seltenen und wichtigen „Kult“-Platten aus dem Re-pertoire der Firma Saba – heissbegehrt und hochbezahlt – wird zum ersten Mal nach beinahe 40 Jahren wieder-veröffentlicht! Die Firma hatte sich junge und noch unbekannte Musiker ausgewählt, die zudem noch aus der geographischen Nähe des „Black Forest“ stammten. Und dass aus einigen (wie z.B. Wolfgang Dauner, Charlie Antolini, Eberhard Weber) Weltstars werden sollten, daran hat der Talententdecker und Tonmeister Hans-Georg Brunner-Schwer großen Anteil.
Den Minderwertigkeitskomplex, den man in manchen frühen Nachkriegjazzaufnahmen her-aushören kann, haben alle Musiker dieser Aufnahmen längs abgelegt. Gerade die Pianisten, die bei allen Titeln die führenden Köpfe sind, beweisen selbstsicher und unverkrampft bei ihren einfallsreichen Impro-visationen, daß sie den mächtigen Schatten eines Art Tatum oder Oscar Peterson hinter sich gelassen haben.
Zupackend und kraftvoll Wolfgang Dauner, pastellhaft, ein bisschen nostalgisch Elsie Bianchi, perlend und verspielt Dieter Reith und fast orchesterhaft Waldi Heidepriem – so kann man die Stile und Spielweisen bezeichen.
Das Piano steht bei vielen Aufnahmen von SABA/MPS im Mittelpunkt – diese Produktion ist mehr als nur ein Meilenstein in der Tontechnik, sie liefert darüber hinaus den Beweis, daß die Emanzipation des Jazz made in Germany“ begonnen hatte.

Recording: 1963 - 1964 SABA-TONSTUDIO, Villingen
Production: Hans Georg Brunner-Schwer
Date of release: Oktober 2000
Dr. Michael Frohne
Freddie Hubbard Impulse! STEREO A-38

Personnel coll. Wayne Shorter leader,arr / Freddie Hubbard tp / bob Northern, Julius Watkins frh / Cedar Walton p / Philly Joe Jones dr / Reggie Workman b / Melba Liston, Curtis Fuller tb / Jerome Richardson, Charles Davis bs / Eric Dolphy as,fl / Ed Armour, Richard Williams tp / Seldon Powell ts / Clark Terry, Ernie Royal, Al DeRisi tp / Robert Powell tuba / Louis Hayes dr / strings /
Tracks BODY AND SOUL / CARNIVAL (Manha de Carnaval) / CHOCOLATE SHAKE / DEDICATED TO YOU / CLARENCE PLACE / ARIES / SKYLARK / I GOT IT BAD AND THAT AIN’T GOOD / THERMO



25 Jahre alt war Freddie Hubbard, als er 1963 mit dieser Superband ins Studio ging. Der Chef der Jazzmessengers Art Blakey, in dessen Quintet er der Nachfolger solch hochkarätiger Trompeter wie Clifford Brown und Lee Morgan geworden war, hatte ihm ein paar freie Tage zugestanden und der Impulse-Produzent Bob Thiele stellte ihm die besten Solisten und Satzspieler zur Seite. Besonders die Interpretationen der Standards wie „Body and soul“, „Skylark“ oder „I got it bad“ zeigen einerseits Infühlungsvermögen und Respekt vor der Melodie, anderseits aber eine auch heute noch avantgardistische Phrasierung – was durch die dezente Begleitung durch die Streicherformation noch betont wird. Freddie Hubbard’s Kollege Wayne Shorter ist der musikalische Chef und hat alle Arrangements beigesteuert.
Und erfreulicherweise bleibt auch anderen Solisten wie z.B. Eric Dolphy und Cedar Walton Gelegenheit, sich in den Vordergrund zu spielen. Die Wiederveröffentlichung dieses – man kann es sicher: Meilensteins in der Jazzgeschichte nennen - war schon lange überfällig, zumal für die Impulse-Aufnahme mit Rudy van Gelder einer der besten Toningenieure angeheuert wurde und man damit die Garantie einkaufte, dass die 9 titel auch nach beinahe 40 Jahren technisch in der allerhöchsten Liga spielen.

Recording: March 8 + 11, May 2, 1963 prob. Englewood Cliffs, N.J.
Production: Bob Thiele (producer) / Frank Abbey, Rudy van Gelder (engineer)
Date of release: September 2000

Dr. Michael Frohne
Dizzy Gillespie A night in Tunesia Verve V6 8401

Personnel Dizzy Gillespie tp / Leo Wright as,fl / Lalo Schifrin p / Bob Cunningham b / Chuck Lampkin dr / Candido Camero conga
Tracks KUSH / SALT PEANUTS / A NIGHT IN TUNESIA / THE MOOCHE

Zu Beginn des Jahres 1961 konnte Dizzy Gillespie zwei Grossprojekte verwirklichen: Seine Big Band spielte im März in der Carnegie Hall mit kubanischen Perkussionisten u.a. „Manteca“ ein, im Mai folgte in den Verve-Studios die Suite „The sword of Orion“ mit dem Orchester von Gunther Schuller. Bei einem mit-reissenden Live-Auftritt im Februar jenes Jahres brachte der aus Argentinien importierte Pianist und Komponist Lalo Schifrin neue Klangfarben- und welten in die Band ein. Glücklicherweise war die Firma VERVE so weitblickend, den denkwürdigen Auftritt im „Museum of Modern Art“ mitzuschneiden.
Dizzy live auf der Bühne – das heißt neben Unterhaltung pur immer auch ausreichend Platz für alle Solisten. Und nur wenige konnten da einem Mann wie Leo Wright das Wasser reichen. Kein Wunder, dass er vom Chef der SFB Paul Kuhn bei seinem ersten Europatrip gleich als Satzführer verpflichtet wurde.


Man könnte glauben, dass schon alle Variations-möglichkeiten von „A night in Tunesia“, „The mooche“ oder von „Salt peanuts“ ausgereizt sind. Hier auf dieser Platte kann man sich eines Besseren belehren lassen: Zusammen mit einem berühmten Trompetenkollegen, stellt man fest, dass man nie auf der bequemen Seite steht, nie auf der sicheren Seite in seinen Konzerten sitzt. Immer findet Dizzy überraschende Klangabenteuer, unterlegt von ungwöhnlichen Rhythmen.
In diesem Sinne - und auch was den Humor - angeht, ist er auf die gleiche Stufe mit Louis Armstrong zu stellen. „An electrifying evening“ heisst die LP zu Recht – nicht nur das Quintet, auch die Wiedergabequalität dieses Live-Mitschnitts sind in der Tat elektrifizierend. Und das allein mit akustischen Instrumenten!
Nur folgerichtig bekam Dizzy übrigens Ende 1961 die höchste Auszeichnung, die die Kritiker zu vergeben hatten: Er wurde in die DOWNBEAT Hall of Fame gewählt.

Recording: February 9, 1961 The Museum of Modern Art, New York City
Production: Norman Granz (?) (producer) / Tom Nola (engineer)
Date of release: August 2000

Dr. Michael Frohne
Elsie Bianchi The sweetest sounds SABA SB 15069

Personnel Elsie Bianchi piano, vocal / Siro Bianchi bass / Charly Antolini drums
Tracks TEACH ME TONIGHT / FALLIN‘ IN LOVE / LITTLE BIRD / A SLEEPIN‘ BEE / THE SHADOWS OF PARIS / FIDDLER ON THE ROOF / THE SWEETEST SOUND / SPRING CAN REALLY HANG YOU UP THE MOST / MEDITATION / WHY DID I CHOOSE YOU / GUESS WHO I SAW TODAY


Im Juni 1962 war sie zum ersten Mal für ein kleines, enthusias-tisches Jazzpublikum in Seiler’s Café Atlantis in Basel zu hören: Elsie Bianchi sang und spielte das, was manche „Bar-Jazz“ nennen. Gute Unterhaltung war es in jedem Fall und nur wenige Jazzfreunde liessen sich diese Auftritte entgehen. Bereits mit 5 Jahren spielte Elsie Bianchi Akkordeon, etwas später stu-dierte sie Klavier, das Instru-ment, zu dem sich später die Stimme gesellte. Neben bekan-nten Jazzstandards wurden Eigenkompositionen ins Reper-toire aufgenommen. Die ersten Einspielungen wurden noch im Café Atlantis gemacht und von der Firma Disco-Ton vertrieben. Die guten Ohren des Villinger Saba-Chefs H.G. Brunner -Schwer und sein berühmtes Grand-Piano boten Elsie Bianchi und ihrem Trio die Chance, im professionellen Studio 1963 und 1965 insgesamt 14 Titel einzu-spielen. 12 davon finden sich auf der ersten und einzigen LP unter Elsie Bianchi Namen und werden jetzt nach 35 Jahren wiederveröffentlicht.
Ihr Mann Siro Bianchi, der eigentlich mit dem Tenorsax und der Klarinette bekannt wurde, hatte sich u.a. als Begleitmusiker von Chet Baker einen ausgezeichneten Namen als Bassist geschaffen. Wie einfühlsam Charly Antolini am Schlagzeug zu begleiten versteht, beweist diese und hunderte von anderen Plattenproduktionen.
Mit diesem Re-issue können endlich die vielen An-fragen von Jazz- und Easy-listening Freunden positiv beantwortet werden: Es gibt sie wieder, die legendäre SABA-LP mit Elsie Bianchi und ihrem Trio. Und vielleicht findet sich auch ein Jazz-Lexikon-Autor, der sie - die Pianistin und Sängerin und eines Eintrags würdig findet. Und: Die Bianchis betreiben heute eine Pferdezucht in den USA – und Jazz spielen sie immer noch.

Recording: November 11, 1965 SABA-TONSTUDIO, Villingen
Production: Willi Fruth (producer) / Hans Georg Brunner-Schwer (engineer)
Date of release: August 2000
Dr. Michael Frohne
Quincy Jones: Hip Hits Mercury SR 60799

Personnel Joe Newman tp; Clark Terry tp; Ernie Royal tp; Snooky Young tp; Jimmy Nottingham tp; Al Derisi tp; Bill Byers tb; Paul Faulise tb; Jimmy Cleveland tb; Quentin Jackson tb; Kai Winding tb; Thomas Mitchell tb; Santo Russo tb; Melba Liston tb; Julius Watkins frh; James Buffington frh; Ray Alonge frh; Bob Northern frh; Earl Chapin frh; Paul Ingraham frh; Fred Klein frh; Willie Ruff frh; Bill Stanley tuba; Jay McAllister tuba; Phil Woods reeds; Roland Kirk reeds; James Moody reeds; Walter Levinsky ts; Frank Wess ts; Zoot Sims ts; Al Cohn ts bs; Romeo Penque cl; Budd Johnson reeds; Seldon Powell reeds; Jerome Richardson reeds; Lalo Schifrin p; Patti Bown p; Bobby Scott p org; Charles McCoy hca; Wayne Wright g; Sam Herman g; Kenny Burrell g; Jim Hall g; Milt Hinton b; Art Davis b; George Duvivier b; Ben Tucker b; Major Holley b; Chris White b; Rudy Collins dr; Osie Johnson dr; Ed Shaughnessy dr; James Johnson tymp; Charles Gomez latin perc; Jack Del Rio latin perc; Jose Paula latin perc; Bill Costa Latin perc; George Devens latin perc; Quincy Jones cond arr

Tracks COMIN‘ HOME BABY, GRAVY WALTZ, DESAFINADO, EXODUS, CAST YOUR FATE TO THE WIND, A TASTE OF HONEY, BACK AT THE CHICKEN SHACK, JIVE SAMBA, TAKE FIVE, WALK ON THE WILD SIDE, WATERMELON MAN, BOSSA NOVA U.S.A


Nur wenigen Arrangeuren in der hundertjährigen Geschichte des Jazz (von Don Redman, Fletcher Henderson, Sy Oliver, Eddie Sauter, Billy Strayhorn, Neal Hefti bis hin zu Gil Evans) ist der Sprung ins Rampenlicht der grossen Festival- und Konzertbühnen gelungen. Einer dieser wenigen ist Quincy Jones, geboren 1933 und schon früh von Gospelmusik, von Maurice Ravel und Nadia Boulanger musikalisch beeinflusst.
Louis Armstrong, Count Basie, Dizzy Gillespie setzten für ihre gross-orchestralen Produktionen ebenso wie Cannonball Adderley oder die Sängerinnen Sarah Vaughan und Dinah Washington erfolgreich auf die Arrangierkunst des Mannes aus Chicago. Von seinem ersten Titel „Kingfish“ für Lionel Hampton, in dessen Band er als Trompeter das Satzspielen beherrschen lernte, führte ihn die steile Karriere über Count Basie (seine „Schreibfeder“ und seine Dirigierkunst verhalfen der Roulette LP „BASIE ONE MORE TIME – COUNT BASIE PLAY MUSIC FROM THE PEN OF QUINCY JONES“ zu hohen Verkaufszahlen) bis zur Gründung einer eigenen Bigband. Diese unternahm 1960 eine gefeierte Europatournee mit vielen Fernsehauftritten und spielte mehrere „reine“ Jazzplatten ein. Die mit Jazzsolisten gespickte Band – so auch bei diesen jetzt neu vorliegenden Aufnahmen aus dem Jahr 1963 – spielte mit ungeheurer Präzision, dazu perfekt vom Blatt, ohne den lässigen Swing zu vernachlässigen.
„Hip Hits“ bietet kommerziell erfolgreiche Titel aus der Soul- und Filmmusik, aus Jazz und Pop, gleich im ganzen Dutzend in neuem Gewand: Zwischen Herbie Hancock’s Wassermelonenverkäufer, Jimmy Smith’s Rückkehr in den Club „Der Hühnerstall“ und Dave Brubeck’s Empfehlung, doch einfach statt nur 4 Viertel noch 5 Viertel bei „Take five“ zum swingen zu bringen, sind der Millionseller von Lou Reed „Walk on the wild side“ und der spätere Beatles Hit „A taste of honey“ eingestreut. Dazu machen klassische Filmthemen wie „Exodus“ und der Bossa Nova Hit „Desafinado die LP zu einem echten CROSS-OVER-Produkt.
Wie wichtig es für Quincy Jones schon 1963 war, neben der musikalischen Spitzenqualität eine perfekte Sound-Qualität abzuliefern, zeigt die Wahl der Plattenfirma: das auch bei High-end Enthusiasten berühmte A & R Studio von Mercury bot allerbeste Studiotechnik, die Firma fertigte saubere Pressungen; die Wiederveröffentlichung aus jungfräulichem Vinyl ohne Alt-Beimischungen setzt dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf.


Recording: April 9 – 11, 1963 A & R Studios, NYC
Production: Phil Ramone (engineer)
Date of release: August 2000

Dr. Michael Frohne